Am 11. Februar haben wir unsere Reihe #PushingTheBoundaries mit einer Reflexion über Meritokratie und den Unterschied zwischen dem Selbstbild der Wissenschaft und dem, was Daten aus ganz Europa weiterhin zeigen, begonnen.
In den Wochen seither haben wir die Perspektiven von Professorinnen im Exzellenzcluster QuantumFrontiers hervorgehoben. Ihre Forschung und Erfahrungen sind Teil einer breiteren Diskussion über Verantwortung, Sichtbarkeit und strukturelle Bedingungen in der Wissenschaft.
Heute, am 8. März, ist Internationaler Frauentag. Seit über einem Jahrhundert steht er für den Kampf um Gleichstellung – ein fortdauernder Einsatz und eine Erinnerung daran, dass formale Gleichheit nicht automatisch gerechte Bedingungen schafft. Er ist Anlass, über Strukturen nachzudenken, die Chancen und Macht weiterhin prägen. Schauen wir daher auch auf unsere eigenen Strukturen:
Derzeit halten Frauen 16 % der Professuren in QuantumFrontiers. Über alle Karrierestufen hinweg bleiben sie unterrepräsentiert. Diese Zahlen sind weder auf einen Cluster oder eine Institution beschränkt noch das Ergebnis individueller Defizite. Sie spiegeln strukturelle Muster in der Wissenschaft insgesamt wider – bei Berufungen, in Bewertungskriterien, Netzwerken, informeller Fürsprache und Förderung sowie im Zugang zu Einfluss.
Wandel geschieht nicht automatisch. Strukturen bestehen fort, wenn wir sie nicht hinterfragen und Verfahren, Kriterien und Entscheidungsprozesse aktiv neu gestalten.
In QuantumFrontiers sind Frauen inzwischen in Führungsfunktionen und zentralen Entscheidungsgremien stark vertreten. Das verändert die Gesamtrepräsentation nicht unmittelbar. Aber es verschiebt Macht – wer Prioritäten setzt und wer Verfahren ausgestaltet.
Diese Fragen prägen auch, wie wir über Forschung selbst nachdenken. Mit dem unserem Forschungsbereich Sharing Science weiten wir den Blick auf Teilhabe, Bildungsgerechtigkeit und Wissenschaftskommunikation. Projekte wie ein regionales Lernökosystem (Prof. Henriette Bertram, TUBS; Prof. Till Bruckermann, LUH), das auf Gleichstellung und Nachhaltigkeit ausgerichtet ist, Mathematical Modelling Camps (Prof. Katrin Vorhölter, TUBS) mit Fokus auf marginalisierte Gruppen und Explaining Science‑Qualifizierungsprogramme (Prof. Stefanie Hartz, TUBS; Prof. Rainer Müller, TUBS; Prof. Christoph Kulgemeyer, Universität Bremen) verstehen den Zugang zur Wissenschaft nicht als Zusatz, sondern als Bestandteil der Forschungskultur. Diese Projekte unterstreichen, dass die Frage, wer wissenschaftliche Räume betritt – und unter welchen Bedingungen –, Teil derselben strukturellen Diskussion ist.
Unser Fokus liegt nicht auf kurzfristiger Sichtbarkeit, sondern auf strukturellem Wandel: transparente Prozesse, Aufmerksamkeit für frühe Karrierephasen, bessere Alltagspraktiken und eine kritische Auseinandersetzung damit, wie Exzellenz definiert wird – und wen bestehende Definitionen systematisch privilegieren.
Der Blick auf unsere eigenen Zahlen ist Teil unserer Rechenschaftspflicht. Anhaltende Unterrepräsentation ist nicht einfach eine statistische Lücke. Sie wirft grundlegende Fragen nach Fairness, Zugang und der Art von Forschungskultur auf, die wir gestalten wollen.
Der 8. März erinnert daran, dass struktureller Wandel – in unserem Cluster wie in der Wissenschaft insgesamt – eine fortdauernde Verantwortung bleibt.