Der Wissenschaftsbetrieb versteht sich selbst häufig als Meritokratie: ein System, in dem allein Talent, Exzellenz und harte Arbeit den Erfolg bestimmen. Besonders in den MINT-Fächern ist dieses Selbstverständnis tief verankert – und zugleich tröstlich.
Die Daten jedoch zeigen ein differenzierteres Bild.
Europaweit sind Frauen in Wissenschaft und Forschung weiterhin unterrepräsentiert. Gerade Deutschland liegt nach wie vor unter dem europäischen Durchschnitt – nicht wegen eines Mangels an qualifizierten Frauen, sondern weil über alle Karrierestufen hinweg strukturelle Barrieren bestehen.
Die Forschung belegt, dass Voreingenommenheit (Bias) eine erhebliche Rolle in akademischen Karrieren spielt. In experimentellen Studien bewerteten männliche Wissenschaftler in den MINT-Fächern fingierte „Studien“, die behaupteten, es gebe keinen Gender Bias, als überzeugender als echte, fachbegutachtete Forschung, die dessen Existenz belegt. Das zeigt, wie stark die Idee einer gänzlich vorurteilsfreien Meritokratie verteidigt wird – selbst angesichts belastbarer Evidenz.
Die Folgen sind messbar. Untersuchungen zeigen, dass Frauen selbst bei vergleichbarer Qualifikation und Produktivität seltener Forschungsmittel erhalten, informelles Mentoring erhalten oder aktive Fürsprache erfahren oder in gleichem Maße von Karrierechancen profitieren wie ihre männlichen Kollegen. Mit der Zeit summieren sich diese Unterschiede und führen zu einem fortgesetzten Rückgang des Frauenanteils entlang der akademischen Karrierewege bei – ein Phänomen, das oft als „Leaky Pipeline“ bezeichnet wird.
In den kommenden Wochen bis zum 8. März rücken wir hier auf unserer Webseite und auf unserem LinkedIn-Kanal die Perspektiven unserer Professorinnen in den Mittelpunkt. Ihre Forschung, ihre Werdegänge und ihre Erfahrungen sind Teil dieses Systems – und Teil der Debatte darüber, wie Verantwortung, Führung und Perspektiven Wandel vorantreiben können.
Wir wollen jedoch auch über individuelle Erfolgsgeschichten hinausblicken und die Strukturen in den Blick nehmen: darauf, wer sichtbar ist, wem geglaubt wird, wer unterstützt wird – und wer Forschung prägt.
Exzellenz lebt nicht trotz Vielfalt, sondern von ihr.
Anregungen und Referenzen aus "Unsichtbare Frauen: Wie eine von Daten beherrschte Welt die Hälfte der Bevölkerung ignoriert" von Caroline Criado Perez
Fake-Studien: