Das abschließende Spotlight unserer Reihe gilt Professorin Silke Ospelkaus, Sprecherin unseres Clusters. Ihre Forschung erweitert die Quantenkontrolle von Atomen auf Moleküle und erschließt bei ultrakalten Temperaturen zunehmend komplexe Quantensysteme. Ihre Arbeiten zu ultrakalten polaren Molekülen, kontrollierten Kollisionen und ultrakalter Chemie eröffnen neue Wege für die Vielteilchenphysik und die Quantensimulation.
Anerkennung, Unterstützung und Vorbilder
Rückblickend betont Silke, wie viel sich in den vergangenen Jahren zum Besseren verändert hat. Die Gleichstellung in der Wissenschaft ist deutlich vorangekommen; unterstützende Umfelder, starke Mentorinnen und Mentoren sowie sichtbare Vorbilder haben wesentlich dazu beigetragen. Für ihren eigenen Weg war die explizite Anerkennung durch Mentorinnen und Mentoren besonders wichtig.
Prägende Erfahrungen
Als Silke studierte, war die Physik – insbesondere in Deutschland – noch ein Fach mit sehr wenigen Frauen. Geprägt haben ihren Weg jedoch vor allem positive Einflüsse: Mentorinnen und Mentoren, Kooperationspartnerinnen und -partner sowie Vorbilder, die sie ermutigten, hoch zu zielen. Besonders Deborah Jin unterstützte sie wissenschaftlich wie persönlich und drängte sie, sich auf Tenure-Track-Stellen an führenden Universitäten zu bewerben, statt einfach nur den nächsten einfachen Schritt zu gehen.
Einzelne Momente
Silke erinnert sich auch an Situationen, in denen sie sich als Frau anders behandelt fühlte. Ein Beispiel ereignete sich während einer mündlichen Prüfung, als sie Mühe hatte, eine sehr schwere Tür zu öffnen, und daraufhin einen unangebrachten Kommentar hörte. Heute betrachtet sie solche Vorfälle als einzelne Erfahrungen – nicht als repräsentativ für die vielen unterstützenden akademischen Umfelder, in denen sie gearbeitet hat.
Zugehörigkeit und worauf es ankommt
Ein Gefühl der Zugehörigkeit in der Wissenschaft, sagt sie, erwächst aus Neugier, aus dem gemeinsamen Arbeiten an ambitionierter Forschung und aus dem Vertrauen eines starken Teams. Exzellente Forschungsgruppen, unterstützende Mentorinnen und Mentoren wie Klaus Sengstock, Deborah Jin und Jun Ye sowie internationale Netzwerke in der Atom-, Molekül- und Quantenphysik haben einen wichtigen Unterschied gemacht.
Was sich noch verbessern muss
Auf die heutigen Herausforderungen für Frauen in der Wissenschaft angesprochen, verweist Silke vor allem auf die begrenzte Planbarkeit akademischer Karrieren, insbesondere in frühen Phasen. Außerdem beobachtet sie, dass sich Frauen und Männer mitunter darin unterscheiden, wie stark sie sich präsentieren und für sich werben – was beeinflussen kann, wer als geeignet für Führungsrollen wahrgenommen wird. Für sie wäre einer der wichtigsten Schritte nach vorn der Aufbau echter Tenure-Track-Strukturen, die eine frühere und verlässlichere Karriereplanung ermöglichen.
Wir sind froh, Silke Ospelkaus in QuantumFrontiers zu haben – sie verschiebt die Grenzen der Quantenkontrolle und hilft mit, eine Forschungskultur zu gestalten, in der Exzellenz, Unterstützung und Chancen weiterhin gemeinsam wachsen.
#PushingTheBoundaries
In unserer Reihe #PushingTheBoundaries stellen wir die Professorinnen des Exzellenzclusters QuantumFrontiers vor und lenken den Blick auf die Herausforderungen, denen Frauen in männerdominierten Bereichen wie der Physik und den Ingenieurwesen begegnen. Zwischen dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar und dem Internationalen Frauentag am 8. März zeigen wir, wie Frauen das Feld mit ihrer Expertise prägen – und benennen die Veränderungen, die wir vorantreiben wollen.