Professorin Uta Schlickum erweitert unser Verständnis bioinspirierter Systeme und deren Anwendung. Mit hochentwickelten Präparations- und Bildgebungsverfahren bis hinunter zur atomaren Auflösung schlägt sie Brücken zwischen Physik, Chemie und Biologie. Ihre Forschung beobachtet die Natur nicht nur, sie liefert die Grundlage für das rationale Design der nächsten Generation von Quanten- und Biomaterialien.
Doch in der Physik bedeutete bahnbrechende Arbeit nicht immer automatisch auch einen Platz am Tisch. Stellen Sie sich vor, Sie führen ein nobelpreiswürdiges Experiment durch – und sehen zu, wie ausschließlich Ihre männlichen Kollegen ausgezeichnet werden. Genau das erlebte Chien-Shiung Wu. Ihre Biografie ist eine Lehrstunde in wissenschaftlicher Brillanz – und eine ernüchternde Erinnerung an den langen Kampf um die Anerkennung von Frauen.
Von unsichtbar zu sichtbar
Die Zeit der „unsichtbaren Frauen“ geht zu Ende, doch ihr Nachhall ist spürbar. Heute treiben Forscherinnen wie Uta Schlickum den Wandel voran und sorgen Schritt für Schritt dafür, dass Leistungen von Frauen gesehen werden – sie prägen die Erzählung durch kontinuierliche wissenschaftliche Exzellenz neu.
„Meine Generation wird sichtbarer“, sagt Uta. „Wichtige Meilensteine wie die Leitung einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an einem Max-Planck-Institut oder die Auszeichnung mit der Otto-Hahn-Medaille haben meine Position verändert. Dennoch bleibt es eine ständige Herausforderung, sichtbar zu bleiben – besonders, wenn die eigene Forschung abseits ausgetretener Pfade verläuft, selbst wenn sie in hochrangigen Fachzeitschriften erscheint.“
Soziale Prägungen durchbrechen
Hürden finden sich nicht nur im Labor; sie beginnen oft am Esstisch zu Hause. Noch immer hören wir Mütter sagen: „Ich habe Physik nie verstanden – warum sollte meine Tochter das können?“ Mädchen lernen früh, dass technische Wege „nicht normal“ seien. Dieser gesellschaftliche Bias erfordert bewusstes Gegensteuern. Eltern sowie Mentorinnen und Mentoren können diese Mauern entweder verstärken – oder einreißen.
Das akademische Umfeld neu gestalten
Um die nächste Generation von Physikerinnen zu unterstützen, reicht es nicht, Probleme zu benennen. Nötig sind verlässliche, familienfreundliche Strukturen, die die systemische Unsicherheit künftiger Perspektiven verringern. Zwar existiert in der Forschung formal flexible Arbeitszeit, doch niemand sollte permanent und erschöpfend darum kämpfen müssen. Flexibilität und Unterstützung müssen zum professionellen Standard werden – nicht zur mühsam erstrittenen Ausnahme.
Wer diese Barrieren aktiv abbaut, macht deutlich: Weltklasseforschung und Familie schließen einander nicht aus. Oder, wie Uta Schlickum es formuliert: „Ich versuche, ein Vorbild zu sein und zu zeigen, dass es funktioniert – Familie und Wissenschaft zu verbinden.“
In unserer Reihe #PushingTheBoundaries stellen wir die Professorinnen des Exzellenzclusters QuantumFrontiers vor und lenken den Blick auf die Herausforderungen, denen Frauen in männerdominierten Bereichen wie der Physik und den Ingenieurwesen begegnen. Zwischen dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar und dem Internationalen Frauentag am 8. März zeigen wir, wie Frauen das Feld mit ihrer Expertise prägen – und benennen die Veränderungen, die wir vorantreiben wollen.