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#PushingTheBoundaries: Quantenrauschen beherrschen

#PushingTheBoundaries: Quantenrauschen beherrschen

© Silvia Steinbach

Präzision ist nicht nur eine technische, sondern auch eine kulturelle Herausforderung. Professorin Michèle Heurs treibt hochfrequente nichtklassische Lichtquellen und modernste Photodetektion voran, um das Quantenrauschen in Gravitationswellendetektoren der nächsten Generation zu reduzieren. Ihre Arbeit steigert die Empfindlichkeit dort, wo es am meisten zählt: am Quantenlimit, wo kleinste Fortschritte ganz neue Fenster zum Universum öffnen.

Auf die Frage, wofür sie bekannt sein möchte, antwortet Michèle: „Für exzellente Wissenschaft – und dafür, sie mit Fairness und Integrität zu betreiben, auch in einem System, das das nicht immer belohnt.“ Verantwortung und Selbstreflexion gehören für sie zum Handwerkszeug der Forschung.

Als Studentin glaubte sie, das Geschlecht spiele in der Wissenschaft keine Rolle. Die Erfahrung lehrte sie anderes: Vorurteile – bewusste wie unbewusste – prägen noch immer, wie Kompetenz und Kommunikation wahrgenommen werden; wiederholte Mikroaggressionen sind zermürbend. Viele ihrer männlichen Kollegen waren überrascht zu hören, wie alltäglich solche Vorfälle für Frauen und geschlechtsdiverse Forschende sind. Michèles Ansatz: mehr darüber sprechen, informieren statt anklagen und Bündnisse aufbauen, die über vertraute Kreise hinausreichen. Zugehörigkeit wächst in Gruppen, die Diversität als das begreifen, was sie ist – ein Vorteil. Und es braucht Ausdauer, um das in der Breite zur Norm zu machen.

Vorbilder sind wichtig

Michèle nennt Jocelyn Bell Burnell, die Entdeckerin des ersten Radiopulsars, deren bahnbrechende Arbeit am Ende anderen den Nobelpreis einbrachte. Sie hatte einmal die Gelegenheit, Bell Burnell zu treffen – eine Begegnung, die sie nachhaltig beeindruckte. Ebenso nennt sie Lise Meitner, deren wissenschaftliches Vermächtnis in auffälligem Gegensatz zu der Anerkennung steht, die ihr zuteil wurde. Da Michèle ein Otto-Hahn-Gymnasium besuchte, denkt sie bisweilen, es hätte ebenso gut Meitners Namen tragen können.

Was sollte sich ändern?

Michèle wünscht sich, dass mehr Menschen Vielfalt als echten Vorteil begreifen – in der Wissenschaft wie allgemein – und nicht als Kästchen zum Abhaken. Zugleich betont sie: Strukturen in der Wissenschaft sind zäh; sinnvoller Wandel entsteht selten von selbst. Er erfordert bewusste Entscheidungen darüber, wie wir arbeiten, zusammenarbeiten, bewerten und führen.

Auch Kommunikationsnormen verdienen Aufmerksamkeit: Unterschiedliche Kommunikationsstile dürfen Stimmen nicht marginalisieren, und Unterstützung muss ausdrücklich auch neurodivergente Forschende einschließen. Flexibilität, gegenseitiger Respekt, Empathie und die Bereitschaft, zwischen Perspektiven zu übersetzen, sind keine „Add-ons“ – sie sind Voraussetzungen für bessere Wissenschaft.

Wir sind stolz, Michèle Heurs bei QuantumFrontiers zu haben – sie treibt die Quantenoptik für die Gravitationswellenastronomie voran und hilft, eine Forschungskultur zu gestalten, in der Exzellenz und Integrität Hand in Hand gehen.

#PushingTheBoundaries

In unserer Reihe #PushingTheBoundaries stellen wir die Professorinnen des Exzellenzclusters QuantumFrontiers vor und lenken den Blick auf die Herausforderungen, denen Frauen in männerdominierten Bereichen wie der Physik und den Ingenieurwesen begegnen. Zwischen dem Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft am 11. Februar und dem Internationalen Frauentag am 8. März zeigen wir, wie Frauen das Feld mit ihrer Expertise prägen – und benennen die Veränderungen, die wir vorantreiben wollen.