Vom Vermächtnis früher Pionierinnen bis an die Quantengrenzen der Gegenwart: In der nächsten Folge unserer Reihe #Pushing the Boundaries steht Professorin Farsane Tabataba-Vakili mit ihrer wegweisenden Forschung an 2D-Materialien im Mittelpunkt.
Das Unsichtbare entwickeln
Professorin Tabataba Vakilis Forschung konzentriert sich auf die Entdeckung und gezielte Herstellung von 2D Heterostrukturen mit außergewöhnlichen physikalischen Eigenschaften. Durch die präzise Ausrichtung des Verdrehungswinkels zwischen benachbarten atomaren Lagen macht sie subtile, aber folgenreiche Veränderungen im physikalischen Verhalten sichtbar – und legt damit die Grundlage für die nächste Generation der Quantenmetrologie und -sensorik.
Ein Vermächtnis von Kohlenstoff und Mut
Den Weg, den Farsane heute geht, hat nicht zuletzt Mildred Dresselhaus geebnet – ein Vorbild, das bis heute inspiriert. Bekannt als die „Königin der Kohlenstoffforschung“, waren ihre Arbeiten am MIT grundlegend für das Verständnis der elektronischen Struktur von Halbmetallen. Ihre Forschung zu Kohlenstoff-Nanoröhren bereitete zudem den Boden für die später mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Isolierung von Graphen durch Geim und Novoselov. Über das Labor hinaus war Dresselhaus eine entschiedene Anwältin von Frauen in der Physik – eine Mission, die Farsane heute in einem modernen Wissenschaftssystem fortführt.
Sichtbarkeit und Unterstützung
Vom historischen Erbe zur heutigen Realität blickend, betont Farsane, dass die Gesellschaft deutlich unterstützender geworden ist – sichtbar etwa an Auszeichnungen wie der französischen Bourse L’Oréal. Zugleich bleibt die Erfahrung komplex. „Ich ertappe mich gelegentlich bei dem Gedanken: Würde man mich anders behandeln, wenn ich ein 40-jähriger Mann und nicht eine 34-jährige Frau wäre?“
Häufig ist es schwer, zwischen den Einflüssen von Geschlecht und Alter zu unterscheiden. Das Gefühl, „sichtbarer zu sein, als einem lieb ist“, wird durch eine tragfähige Gemeinschaft aus Peers sowie Mentorinnen aufgefangen – von Kolleginnen und Kollegen an der TU Braunschweig bis hin zu langjährigen Wegbegleitern wie Michael Kneissl, Philippe Boucaud und Alex Högele, die früh an ihr Potenzial geglaubt haben.
Der lange Weg zur Gleichstellung
Mit Blick nach vorn ist Farsane überzeugt, dass echte Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Physik sowohl kulturelle als auch strukturelle Barrieren überwinden muss. Das Narrativ „Naturwissenschaft ist Jungensache“ ist an Schulen noch immer präsent und wird mitunter durch überholte didaktische Vorstellungen gestützt. Hinzu kommt die systemische Herausforderung, wissenschaftliche Karrieren mit dem Familienleben zu vereinbaren. Deutschland hat beim Ausbau frühkindlicher, ganztägiger Betreuungsangebote – wie sie in Frankreich wirkungsvoll etabliert sind – noch Nachholbedarf. Diese Lücke zu schließen ist für Farsane entscheidend, damit die nächste Forscherinnengeneration ohne Kompromisse gedeihen kann.